Mein Tiny House kommt! Hält das Seil?



Leben im Tiny House: August 2021 Diesen Monat lief alles auf den Liefertermin meines Tiny Houses - den Wohnwagon Gandalf - hinaus. Der große Tag rückte näher und näher und meine Vorfreude wuchs. Parallel dazu wuchs ebenso die Sorge, ob auch alles gut gehen würde.


Notiz: Das Video für diesen Monat findest du hier ganz unten (runterscrollen)!


Wie ich bereits im letzten Artikel ausgeführt habe, war der Weg zu meinem kleinen Haus bisher kein einfacher und so habe ich mir auch für den Liefertermin einige Worst-Case-Szenarien ausgemalt. Nicht ganz zu Unrecht, wie sich noch zeigen sollte...


1000 Tage warten auf mein Tiny House


Ich habe mal zurückgerechnet: vor 2 Jahren und 7 Monaten (das sind fast 1.000 Tage) habe ich mich für den Weg ins Tiny House entschieden. Und mein Leben konsequent daraufhin ausgerichtet.


Am Dienstag, den 24. August 2021 war es dann endlich so weit. Gandalf sollte angeliefert werden. Er hatte bereits am Vortag die Werkshallen in Gutenstein (Österreich) verlassen. Und tuckerte mit gemütlichen 80 km/h zu meinem Grundstück in der niedersächsischen Provinz. Alles auf seinen eigenen Rädern - wie sich das für ein echtes Tiny House on Wheels gehört!


Die Mitarbeiter Martin und Matthias von Gandalf's Hersteller Wohnwagon machten sich ebenfalls auf den Weg und trudelten schon im Laufe des Vorabends ein.


Ich machte mich schließlich am Dienstag um 7.00 Uhr in Hannover auf den Weg zum Grundstück. Mir ging es verglichen mit den vorherigen Tagen und Wochen erstaunlich gut. Ich war mir schon bei Tagesanbruch ganz bewusst darüber, dass ich diesen Tag niemals vergessen werde. Egal was noch passieren würde. Das Wetter war auch ganz hervorragend. Was sollte schon schiefgehen?


Als ich mein Grundstück fast erreicht hatte und die letzte Straße entlangfuhr, ärgerte ich mich eher so nebenbei über einen Bagger, der auf der Straße stand, den Weg blockierte und den Asphalt ausbaggerte. Ohne wirklich zu realisieren, was das noch für ein Problem werden sollte, nahm ich erstmal einen Umweg und ging die letzten Meter zu Fuß zum Grundstück.


Dort hatten Martin und Matthias bereits angefangen das Fundament vorzubereiten und in der Morgensonne ihr Equipment aufgebaut. Von Gandalf keine Spur.


Scheitert doch noch alles im letzten Moment?


Die trügerische Idylle wurde auch umgehend vom Spediteur (also der Typ, der Gandalf gezogen hat) beendet. Denn dieser zeterte in einer Tour herum, dass er auf keinen Fall mit Gandalf an der kleinen Straßenbaustelle (die ich eben erwähnt habe) vorbeifahren bzw. vorbeikommen würde. Warum?


Er hatte Sorge um die Fracht und darüber Schäden am Weg zu verursachen. Mag ja alles sein. Aber emotional betrachtet hätte ich in diesem Moment am liebsten zuerst denn Spediteur verhauen und dann die Idioten, die da ausgerechnet heute angefangen haben die Straße aufzureißen. Mein gesamtes Budget an Gelassenheit und Ruhe für diesen Tag, war auf einen Schlag abgehoben worden. Ok, war ehrlicherweise auch nicht besonders groß.


Letztlich entschied ich mich trotzdem dafür das Richtige in dieser Situation zu tun. Nämlich nichts. Ich konnte sowieso nichts ändern. Also zumindest Loslassen.


Mein "Deus ex Machina" sollte auch umgehend die Bühne betreten. Es war der Kranfahrer. Dieser donnerte nämlich bestens gelaunt mit seinem 80-Tonnen-Kran als wäre nichts gewesen in die kleine Straße und hielt mit einem frechen Spruch vor meinem Grundstück.


Ungläubiges Staunen aller Beteiligten vor Ort. Entsetzen auf dem Gesicht des Spediteurs. Denn jetzt musste er fahren! Oder sich als unfähig outen.


Die anwesenden Personen auf meiner Tiny Baustelle fingen zum Glück auch sofort an rustikale Witze über den Spediteur und seine Fähigkeit als Fahrer zu reißen. Das Blatt hatte sich gewendet und Gandalf fuhr schlussendlich unbeschadet vor.


Andere mögliche Probleme lösten sich ebenfalls in Luft aus. Z.B. die beiden Bäume vor meinem Grundstück, oder die doch recht schmale und kurvige Straße. Alles kein Problem. Gandalf hatte sich wohl nun endgültig entschieden zu erscheinen und dabei jedes Hindernis zu überwinden.


Tiny Houses werden geliefert. Gandalf erscheint.


Schon wenig später schwebte Gandalf wie von Zauberhand ein. Das sah sehr surreal aus. Wie ein verrückter Traum. Wir korrigierten die Position ein paar Mal. Und dann entschied ich letztlich: "So bleibt er sehen!" Das war krass. Dann kam noch der Erker hinzu. Ach ja: das Seil hat gehalten :-P



Der Tag war nicht nur für mich, sondern für das ganze 500-Seelen-Dorf ein Spektakel. So kamen immer wieder schaulustige Personen vorbei. Aber das fand ich cool und es hätte mich eher gewundert, wenn das nicht so gewesen wäre.


Meine Mutter und mein Vater waren an diesem Tag auch da. Das war für mich etwas sehr Besonderes, denn als Scheidungskind kann ich mich nicht erinnern meine Eltern mal in den letzten 20 Jahren einen ganzen Tag zusammen irgendwo gesehen hab... hatte Gandalf hier magisch gewirkt?


Was habe ich in der ersten Nacht im neuen Haus geträumt?


Wir ließen zusammen noch bei einem kühlen Bier den Tag ausklingen. Und dann schlief ich auch die erste Nacht in meinem neuen Haus. Richtiger Genuss war das natürlich noch nicht. Eher ein wildes Lager, in das ich dann am späten Abend angetrunken, erleichtert und müde sackte. Was habe ich geträumt? Eine Aneinanderreihung von meinen Sorgen und Ängsten bzgl. der Anlieferung, die alle nicht eingetroffen sind. Und sich damit in Wohlgefallen auflösten.


Immerhin bin ich der erste Kunde, den die beiden Handwerker kennen, der vom ersten Tag an in seinem Wohnwagon schläft. Wo hätte ich auch sonst schlafen sollen?


An den folgenden drei Tagen wurden viele einzelne Positionen abgearbeitet, die zwar nicht so spektakulär, aber mindestens genauso wichtig für den Erfolg der gesamten Aktion waren.


Solaranlage, Vordach, Treppe, Rankgitter, Lampen, Grünkläranlage, Ofen, Schornstein, Wasseranschluss usw. wurden aufgebaut und z.T. auch getestet. Bis hin zu den Gardinen. Da steckte der Teufel häufig im Detail und so kostete dies bestimmt 80% der gesamten Zeit.


Mit meinem Vater, der mit seinem Wohnmobil noch einen Tag länger blieb, habe ich es tatsächlich geschafft die Wasserleitung durch die vergrabenen Leerrohre zu bekommen. Das war nicht einfach, denn es ging um viele Kurven. Aber am Schluss half ein guter Schuss Spülmittel und es flutschte im Kanal.


Glücklich und k.o. - das waren anstrengende Tage


Schön war auch der Moment, an dem ich endlich zum ersten Mal ganz allein mit Gandalf war. Puh. Da hab ich mich erstmal längere Zeit auf den Holzboden gelegt, an die Decke gestarrt und den ganzen Wahnsinn der letzten Zeit Revue passieren lassen. Was für ein Ritt!


Hurra. Das war mein großes Ziel für dieses Jahr: Gandalf nach Deutschland zu holen und auf einem eigenen Grundstück abzustellen. Mission complete? Fast.


Was jetzt definitiv für das volle Wohnglück noch fehlt ist der Strom- bzw. der Wasseranschluss. Beim Wasser bin ich vorerst nicht autark, sondern hänge ganz normal am Versorgernetz. Momentan improvisiere ich noch mit Wasserflaschen. Aber Spaß macht das nicht. Der Termin für den Anschluss ist Mitte/Ende September. Von daher hoffe ich alsbald meine Dusche und meine Wachmaschine anschmeißen zu können.


Strom bekomme ich von Anfang an über meine 10 Solarpaneele. Das war bisher gar kein Problem. Die Batterie hatte morgens nie weniger als 80% und ist in der Regel um 11 Uhr wieder voll. Das ist schon genial die Sonnenenergie zu ernten. Wenn die Sonne Mittags kräftig scheint, dann produzieren die Paneele 2.800 Watt. Heftig, oder? Hier wird's jetzt spannend, wenn die Tage kürzer werden. Von daher freue ich mich auch über einen Stromanschluss als Backup.



Ansonsten guckt mich jetzt natürlich mein chaotisches Grundstück an. Aber ich merke auch, wie anstrengend die letzten Tage mental und körperlich waren. Und spüre, dass ich nach diesem Kraftakt den September wohl brauchen werde, um erstmal "wieder runter" zu kommen.


Zusammengefasst bin ich erfolgreich angekommen, wirklich glücklich, aber auch sehr geschafft.




Wie geht es nächsten Monat weiter?


Im August wurde mein Tiny House endlich geliefert. Und ich konnte anfangen darin zu wohnen. Was jetzt noch weiterhin fehlt sind die endgültigen Anschlüsse (Strom, Wasser, Abwasser).


Nächstes Mal gibt es dann eine ausführliche Roomtour. Versprochen.


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Herzliche Grüße,

Michael Mey

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Sedanstraße 2, 30161 Hannover

E-Mail: michaelmey2003@gmx.de

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