Dunkle Tage im Tiny House



Leben im Tiny House: November 2021


Die Tage werden immer kürzer und der erste Winter in meinem Tiny House steht vor der Tür. Die dunkle Jahreszeit macht mir ziemlich zu schaffen. Und obwohl ich endlich im Tiny House lebe, fühle ich mich niedergeschlagen. Vor dem November habe ich jedes Jahr ein wenig Angst, denn er markiert für mich meistens den emotionalen Jahrestiefpunkt.


Ehrlich gesagt ist meine Motivation für diesen Blogartikel und das Monatsupdate dementsprechend auch leider bei 0%. Ich habe es die ganze Zeit vor mir hergeschoben. Ob ich momentan depressiv verstimmt bin? Mit Sicherheit! Es ist ausschließlich meiner Willenskraft zu verdanken, dass es das Update dennoch gibt und du es jetzt lesen kannst. Aber hey: manchmal sind ja auch genau solche Informationen auch die interessantesten. Ich habe mich auch sehr gefreut, dass einige Leute nachgefragt haben, ob alles ok bei mir ist. Danke dafür!


Und wieso bin ich überhaupt "down"? Nun, dazu schreibe ich weiter unten mehr.


Abgesehen davon habe ich meinen Blog bzw. YouTube-Kanal auch deswegen gestartet, um ebenfalls über die nicht so schönen Dinge zu berichten, die ein solcher Prozess mit sich bringen kann. Aber keine Sorge. Im Grunde ist alles gut. Aber es kostet mich einfach deutlich mehr Energie als sonst.


Energie-Autarkie im November?


Energie ist auch ein gutes Stichwort. Eines meiner Ziele ist die Energie-Autarkie. In meinem letzten Artikel habe ich ausführlich über meine Beweggründe gesprochen. Deswegen möchte ich mich jetzt inhaltlich zuallererst diesem Ziel zuwenden. Es besteht mittlerweile immerhin eine Datenbasis für drei Monate.


Schauen wir uns die Zahlen für den November an.


Strom-Produktion/-Verbrauch


Um gleich zum Punkt zu kommen: nein, im November war ich nicht mehr (wie im Oktober) zu 100% energie-autark. Meine PV-Anlage hat insgesamt in dem Monat 51 kWh produziert. Demgegenüber steht ein Verbrauch von 80 kWh. Ich war also nur noch zu 64% energie-autark bzgl. Strom.


Die Versorgungslücke von 39 kWh musste ich über meinen externen Stromanschluss schließen. Gut, dass ich dieses Backup habe. Ansonsten hätte ich - im wahrsten Sinne des Wortes - ab Mitte November echt schwarz gesehen.


Mein Stromverbrauch ist, gegenüber dem Oktober (80 kWh) fast auf die Kilowattstunde genau, völlig konstant geblieben. Die Produktion ist allerdings massiv gesunken: von im Durchschnitt 2,6 kWh (Oktober) auf 1,7 kWh (November) pro Tag.


Theoretisch hätte das im Ergebnis auch anders sein können. Am 6. November hat ganztägig die Sonne geschienen und die Solaranlage hat 5,1 kWh produziert. Das waren 10% der gesamten Monatsproduktion an nur einem einzigen Tag.


Das Problem ist, dass die Sonne an meinem Standort (südliches Niedersachsen) einfach kaum im November scheint. Es ist häufig bewölkt und nebelig. Es liegt also nicht an der Solaranlage, dem Sonnenstand, oder der verkürzten Tage, sondern tatsächlich am lokalen Wetter.


Hätte ich eine Woche durchgängig Sonnenschein gehabt, dann wäre das Ergebnis deutlich besser gewesen. Und vermutlich auch meine Laune. Haha! Denn irgendwie hat mich das Ergebnis von lediglich 64% Strom-Autarkie ehrlicherweise schon etwas ernüchtert und runtergezogen.


Auch ein größerer Batterie-Speicher hätte aus meiner Sicht keinen Sinn gehabt. Oder mehr Solar-Paneele. Denn nur an 8 Tagen wurden die im Durchschnitt benötigten 2,6 kWh überhaupt produziert. Das hätte maximal nur für den nächsten Tag gereicht. Und der November hatte leider mehr als 16 Tage.


Und es ist ziemlich sicher davon auszugehen, dass die Strom-Produktion im Dezember noch weiter sinken wird. Das wird wohl nichts mit "nie wieder eine Stromrechnung bezahlen". Leider.


Holzverbrauch im November


Ich heize nicht mit Strom, sondern mit einem wassergeführten Holzofen. Dieser erhitzt einen Pufferspeicher. Von dort gelangt die Hitze dann entweder in meine Heizkörper (einen im Badezimmer, der andere im Schlafbereich), oder ein Boiler wird erhitzt. Dieses Wasser steht dann z.B. zum Duschen bereit.


Im Oktober kam meine Lieferung von 4 SRM (Schüttraummeter) an. Das Holz lagere ich unter dem Erker. Und bei Bedarf hole ich mir Holz zum Heizen rein. Es ist schwierig zu quantifizieren, wie viel Holz ich tatsächlich verbrauche. Aber im November ist der Holzstapel rein optisch nicht kleiner geworden. Ich würde sagen, dass ich bestimmt am Ende des Monats noch 3,5 SRM übrig hatte. Und dementsprechend 0,5 SRM verbraucht habe. Das ist aber wirklich nur geraten.


Ich habe von meinen Zuschauern auf YouTube gute Tipps bekommen. Ein sehr guter Tipp bestand darin den Platz unter dem Erker auszumessen. Dann wüsste ich genau, wie viel Holz ich in Kubikmetern verbraucht habe. Bzw. Kisten in der Größe von 1x1 Metern zu gestalten. Ein anderer Tipp bezog sich auf das Feuer im Holzofen. Dieses sollte immer von Oben angezündet werden. Dieser Tipp hat sich absolut bewährt - das mache ich jetzt immer so. Weniger Qualm und weniger Arbeit.


Ich gehe das Thema Holzverbrauch aber nun sehr pragmatisch an: ich werde sehen, wie viel Holz am Ende der Heizperiode noch übrig ist, bzw. wann es alle ist und wie viel ich noch nachbestellen muss, um über den Winter zu kommen. Ich könnte mir zum jetzigen Zeitpunkt aber vorstellen, dass der Vorrat reicht. Aber auch hier wird das Wetter -besser gesagt die Außentemperatur- eine Rolle spielen.


'Depri' im Tiny House... Wie kommt's?

Angesprochen habe ich es ja schon und da es auch mit meinem Projekt zu tun hat, möchte ich schon etwas dazu Schreiben. Ich habe drei Gründe für meine jährliche Verstimmung ausgemacht.


Das gemäßigte Klima

Der erste liegt auf der Hand: es ist einfach nicht meine Jahreszeit in Deutschland. Ich habe deswegen schon öfter mit dem Gedanken gespielt in wärme Gefilde auszuwandern. Komplett umgesetzt habe ich das aber nie. Mir fehlt einfach die Helligkeit und die Wärme.


Politische Situation

Für mich als sehr freiheitsliebender Mensch und kritischer Geist ist die aktuelle, politische Lage wirklich ein Super-Gau. Ohne ins Detail zu gehen: ich fühle mich von der Regierung behandelt, als ob ich ein unmündiges Kind bin, dass mit schwarzer Pädagogik nach den autoritären Vorstellungen der Eltern erzogen werden soll. Abgesehen davon, dass das bei mir nicht funktioniert, weil ich ein erwachsener Mann mit klaren Vorstellungen bin, macht mir die erlebte Willkür und Skrupellosigkeit trotzdem Angst und ich fühle mich davon bedroht.




Ziel erreicht

Das Tiny House legal mit einer Baugenehmigung in Deutschland aufzustellen. Das war mein großes Ziel für 2021 - und das habe ich erreicht. Ein echter Grund zur Freude - gleichzeitig nimmt es mir aber auch den Druck und das damit einhergehende Energie-Level. Diese temporäre Planlosigkeit hatte bei mir eine Menge Grübelei zur Folge, worauf ich mich jetzt maßgeblich fokussieren soll. Dann beschäftigte ich mich automatisch eher mit den beiden erstgenannten Punkten, salopp gesagt "Scheiß Wetter" und "Verrückte Menschen" - nicht gerade herzerwärmende Themen.


Das ist die Lage. Und durch die Auflistung der drei Punkte wird natürlich auch der Hebel klar. Es ist die Ausrichtung auf ein neues, großes, positives Ziel. Und das ist das Gute: Ziele habe ich ja schon!


Ein neues Ziel für 2022



Neben dem Ziel der Energie-Autarkie habe ich das Ziel der Selbstversorgung und dem des Re-Wilding. Das kannst du dir im letzten Artikel nochmal genau ansehen, wenn du willst.


Ich habe einen ultra-komplexen, kostenintensiven und mehrjährigen Plan entwickelt diese beiden Ziele zu erreichen. Und nach langem Hin- und Her wieder komplett verworfen. Die entscheide Frage lautete dabei in meinem Kopf: wie kann ich mit einem minimalen Aufwand das Maximum erreichen?


Abschied von der perfekten Wasser-Autarkie

Und bzgl. Minimalismus musste erstmal eine Idee komplett sterben, und das wirklich sehr zu meinem großen Bedauern. Und das ist das Thema "Wasser-Autarkie". Am liebsten hätte ich einen optisch ansprechenden 100qm-Schwimmteich vor meinem Tiny House, der neben Erfrischung und optischer Schönheit mein Grauwasser aufbereitet - und ich es dann wiederverwenden kann.


Neben dem riesigen Aufwand und der Ungewissheit, ob es überhaupt funktioniert, gibt es dabei noch ein weiteres Problem: es ist verboten.


Ich denke, dass die Aufbereitung meines Grauwassers und die Sinnlosigkeit es danach in die Kanalisation leiten zu müssen, aber ebenso eine starke Botschaft hat, die Veränderung bewirken kann.


Wasser-autark bin ich nämlich im Zweifelsfall auch so, denn ich habe mehrere fußläufig zu erreichende Trinkwasser-Quellen in meiner Nähe. Dort könnte ich im Notfall jeden Tag Wasser zum Waschen, Trinken und Kochen besorgen. Auch einen eigenen Brunnen könnte ich mit vergleichsweise wenig Aufwand auf meinem Grundstück bohren lassen.


Ein 'Waldgarten' muss her

Der eleganteste Weg einen hohen Selbstversorgungsgrad, sowie vielen heimischen Pflanzen und Tieren ein Zuhause zu bieten, ist aus meiner Sicht das Anlegen eines sogenannten Waldgartens (engl. Food-Forest).


Das ist kurz gesagt eine sehr klug angelegte Streuobst-Wiese mit einigen Raffinessen. Ein Thema, das einen eigenen Artikel verdient hat. Aber mit diesem neuen Ziel habe ich mich aus meinem Tief am Schopf selber wieder herausgezogen bzw. bin ehrlicherweise gerade noch dabei ;-)


Ich habe sehr viel Vorfreude dieses Ziel 2022 zu erreichen. Und schon konkret begonnen es umzusetzen. Über meinen Zielen schwebt ja die Vision von einem naturnahen Lebensstil. Und was könnte besser sein, als einen kleinen Wald unmittelbar vor der Tür zu haben, der mich mit Nahrung versorgt und in dem ich viele Tiere beobachten kann!?


Natürlich bleibt auch das Thema 'Leben im Tiny House' weiterhin wichtig. Das wäre ja quasi das Zentrum des Waldgartens. Also Gandalf im Fangorn. Einen Zauberer an seiner Seite zu haben ist schon prima. Aber zusätzlich eine Armee junger Bäume -sprich Ents- wäre auch noch ganz phantastisch.



Wie geht es weiter?


So gesehen sind die dunklen Tage im November doch alles andere als unproduktiv, oder unwichtig gewesen - ganz im Gegenteil sogar, wie ich finde. Das Schreiben dieses Textes war definitiv auch ein Teil Selbst-Therapie, da es einfach meine Gedanken geordnet und Klarheit geschafft hat.


Zwei überraschende Sachen haben mich im November zusätzlich doch noch sehr gefreut.


Einerseits die Erwähnung von Gandalf und mir in dem Buch "Wie wir leben könnten" von Theresa Mai. Da geht es um die spannende Entstehung von 'Wohnwagon', das ist mein Tiny House Hersteller - eben ganz viel Input rund um das Thema Autarkie und nachhaltige Lebensgestaltung. Absolut lesenswert!


Anderseits wurde ich vom SR 2 Kulturradio im Rahmen der ARD-Themenwoche "Stadt. Land. Wandel – Wo ist die Zukunft zu Hause?" interviewt. Hör mal rein!


Ich freue mich schon auf nächstes Mal, wenn wir beginnen Deutschlands zukünftig bekanntesten Waldgarten zu erschaffen und Fangorn sich erheben wird. In diesem Sinn wünsche ich dir jetzt erstmal schöne Weihnachtstage :-)


Wenn du mein Projekt weiterhin mitverfolgen möchtest, dann abonniere meinen kostenlosen Newsletter. Ich schicke dir dann einmal im Monat zur Erinnerung eine kurze E-Mail, dass es wieder Neuigkeiten gibt. So bleiben wir auch unabhängig von "sozialen Medien" in Kontakt.



Herzliche Grüße,


Michael Mey

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Sedanstraße 2, 30161 Hannover

E-Mail: michaelmey2003@gmx.de

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